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Die Experten für Englischkurse in Großbritannien und Irland

Es muss nicht immer Oxford sein

Die Agentur "English in Britain" hilft, den richtigen Sprachkurs in Großbritannien oder Irland zu finden

Two shot at Notting Hill Carnival, Charles and Camilla's furious row: In fetten Schlagzeilen berichten Daily Mail und Daily Mirror vom Doppelmord beim Karneval von Notting Hill und einem erbitterten Streit zwischen Prinz Charles und Camilla. Dabei sparen sie nicht an schwarzer und roter Farbe, um die Sensationslust ihrer Leser zu kitzeln. Normalerweise würde ich von den Tabloids genannten englischen Boulevard-Zeitungen die Finger lassen. Aber nicht an der Totnes School of English, wo sie Gegenstand unseres Englischunterrichts sind. Oft genug bietet nämlich schon eine einzige Überschrift Stoff für mehrere Lektionen. Mal wird mit starken Verkürzungen gearbeitet, mal mit Wortspielen, außerdem kommen deftige Slang-Ausdrücke zum Einsatz. Für Nichteingeweihte ist das kaum zu verstehen - es sei denn, man hat einen Lehrer wie Martin, der einen ganzen Stapel frisch gedruckter Blätter mit in den Klassenraum bringt und mit uns einzelne Artikel analysiert.

 

Seine Kollegen mögen sich lieber an das Lehrbuch halten. Er steht für ein eher unkonventionelles Unterrichtskonzept. Auf Wunsch nimmt er für uns die Morgennachrichten des BBC auf, um uns die typische Nachrichtensprache nahe zu bringen, dann wieder erheitert er uns mit einer satirischen Darstellung verschiedener politischer Systeme am Beispiel von Kühen. Socialism: You have two cows. You give one to your neighbour. Communism: You have tow cows. The State takes both and gives you some milk. Bureaucratism: You have tow cows. The State takes both, shoots one, milks the other, and then throws the milk away. (*) Wie es weitergehen könnte, müssen wir uns dann selber mit Hilfe von Puzzlestücken zusammenreimen.

 

Natürlich wiederholen wir zwischendurch auch das Conditional oder das Present Perfect Continuous. "Germans are adicted to grammar", meint Martin in meine Richtung, die Deutschen seien ja geradezu abhängig von Grammatik. Dabei sind seiner Meinung nach ab einem gewissen Niveau vor allem der begrenzte Wortschatz und die fehlende Sprachpraxis das Problem. Deshalb sorgt er nicht nur für angeregte Diskussionen in unserer kleinen Gruppe. Er empfiehlt auch dringend, uns möglichst oft unter die Leute von Totnes zu mischen. Das tun wir auch. Vor allem dienstags, wenn sich viele Einheimische im angestaubten King Bill Pub zum traditionellen Quizabend treffen. Auch Schüler der Sprachschule sind willkommen, wenn verschiedene Teams um die Lösung allerlei kniffliger Fragen wetteifern und später nach dem einen oder anderen Bier über Gott und die Welt plaudern.

 

In größeren Städten dürfte es nicht ganz so einfach sein, Kontakt zur Bevölkerung zu bekommen. Totnes mit seinen 8 000 Einwohnern im südlichen Devon hat dagegen eine überschaubare Größe. Ob beim Cream Tea im Café "Anne of Cleves" oder in der Bäckerei - überall kommt man mit den freundlichen Briten ins Gespräch. Außerdem sind die vom Mittelalter geprägten Straßen ebenso hübsch anzusehen wie die sanfte, grüne Hügellandschaft im Hinterland der südwestenglischen Küste. Aber wer weiß schon, dass das Städtchen idealer Ort für einen Sprachaufenthalt ist? Ich wäre jedenfalls nicht darauf gekommen, hätte mir nicht Daniel Baruch den Tipp gegeben.

 

Ursprünglich Englischlehrer mit Jahrzehnte langer Erfahrung, vermittelt er unter dem Motto "English in Britain" Sprachkurse in Großbritannien und Irland, die genau auf die Bedürfnisse des jeweiligen Interessenten zugeschnitten sind. Damit hat er clever eine Nische besetzt. Wie viele stehen schließlich vor dem Problem, sich aus dem riesigen, unüberschaubaren Angebot an Sprachkursen den richtigen herauszufischen! Soll man nach Cambridge, Brighton oder Bournemouth? In eine Familie, ein Apartment oder doch lieber ins Hotel? Einerseits will man angesichts der relativ hohen Preise Zeit und Geld möglichst effektiv investieren, andererseits auch etwas von England sehen und ein bisschen Urlaub machen. Bei Kindern oder Jugendlichen wiederum möchten Eltern sichergehen, dass diese gut betreut sind. So werden Kataloge gewälzt, Prospekte durchgearbeitet, stundenlang im Internet gesurft, und doch weiß man am Ende nicht, wofür man sich entscheiden soll.

 

Daniel Baruch kennt das Dilemma und schafft Abhilfe. "Wir versuchen, eine möglichst differenzierte Dienstleistung anzubieten", beschreibt er die Tätigkeit seiner Agentur, die im vergangenen Jahr etwa 560 Deutsche zu Sprachaufenthalten nach Großbritannien geschickt hat. Kriterien für die Wahl der richtigen Schule sind unter anderem Kursart, Klassengröße, Qualifikationen der Lehrkräfte, Kosten, Freizeitangebot und Schulatmosphäre. Natürlich gehört auch die Suche nach einer adäquaten Gastfamilie oder einer anderen Unterkunft dazu. Egal, ob jemand Vegetarier oder allergisch gegen Katzen ist, einen Intensivkurs in Business English oder nebenher Tai Chi machen will - English in Britain bemüht sich, für jeden das Passende zu finden. 140 Sprachschulen hat sich Baruch mittlerweile angesehen und kennt ihre Besonderheiten. Die eine hat sich auf Kinder ab fünf Jahren spezialisiert, die andere auf Leute ab fünfzig, wieder eine andere auf angehende Studenten. Im Allgemeinen favorisiert der Insider kleine, weniger bekannte Orte in landschaftlich reizvollen Regionen, in denen es nur wenige Sprachschulen gibt. Da seien die Einwohner den Sprachschülern gegenüber aufgeschlossener, außerdem das Preis-Leistungs-Verhältnis günstiger. "Es muss auf keinen Fall Oxford sein", spricht er aus Erfahrung. Abgesehen davon, dass man das Oxford English anderswo genauso gut lernen könne, müsse man dort meist etwas tiefer in die Tasche greifen.

 

Am liebsten fragt Baruch seine Kunden zunächst telefonisch nach ihren Wünschen. Dann schickt er ihnen eine Auswahl von zwei bis drei Prospekten, berät sie nochmals und ist ihnen auf Wunsch auch bei der konkreten Organisation der Reise behilflich. Eine Vermittlungsgebühr erhebt er nicht, da er von den Sprachschulen honoriert wird. Nach der Reise erwartet er allerdings ein Feedback. Das fällt fast immer positiv aus. Wie auch in meinem Fall. Besonders überzeugt hat mich an der Totnes School of English das Angebot, in Kleingruppen mit drei oder vier Sprachschülern Englisch zu lernen. Da kann man spezielle Wünsche äußern, die Lehrer wiederum auf die individuellen Sprachprobleme eingehen. Das ist sehr viel effektiver und auch unterhaltsamer als in größeren Klassen. Im Übrigen sorgt das engagierte Team der Schule für ein attraktives, meist kostenloses Freizeitangebot mit Filmabenden, Badminton, Vorträgen, Ausflügen und Kneipenbesuchen. Wer will, kann außerdem auf den Spuren von Agatha Christie wandeln, die Parks von South Devon kennen lernen oder einen Yoga-Kurs dazubuchen. Natürlich spiegelt sich im Schulprogramm auch die Besonderheit von Totnes wieder, das als Hochburg der englischen Alternativbewegung und Zentrum der Naturheilkunde gilt. Zwar kann man sich in zwei oder vier Wochen nicht zum Heilpraktiker ausbilden lassen, aber der Natural Health-Kurs gibt einen guten Einblick in Verfahren wie Aromatherapie, Shiatsu oder Akupunktur. Im Übrigen tut es gut, nach dem theoretischen Kurs an wohlriechenden ätherischen Essenzen zu schnuppern, Kräutertees aufzubrühen, eine sanfte Fingerdruckmassage zu bekommen - und ganz nebenbei das spezielle Vokabular der Naturheilkunde in sich aufzusaugen.

 

(*) Übersetzung: Sozialismus: Ihr habt zwei Kühe, eine gebt ihr eurem Nachbarn. Kommunismus: Ihr habt zwei Kühe. Der Staat nimmt euch beide ab und gibt euch ein bisschen Milch. Bürokratie: Der Staat nimmt euch die Kühe ab, erschießt eine, melkt die andere und schüttet die Milch weg.

Berliner Zeitung, 10.11.2007, Link zum Originaltext in der BZ