



Frankfurter Rundschau
Die Ausbildungen und Uni-Abschlüsse, die Daniel („Dan“) Baruch absolviert hat, würden für zwei oder drei Biographien ausreichen. Der 42jährige Brite, der in der Nähe von Glasgow aufwuchs, hat den Bachelor of Science und den Master of Arts, studierte Friedensforschung und arbeitete als gelernter Funker auf einer Bohrinsel – außerdem ist er ausgebildeter Englischlehrer. Und weil seine Heimatuniversität in Bradford seinerzeit mit der Uni Rostock kooperierte, arbeitete er zu Honeckers Zeiten zwei Jahre als Englisch-Tutor in der Hansestadt an der Ostsee. […]Danach ließ er sich als Sprachtrainer für diverse Firmen im Rhein-Main-Gebiet in Frankfurt nieder. Und weil seine Kunden ihn ständig mit Fragen nach den besten Sprachschulen in Großbritannien löcherten, machte Baruch 1994 die Marktlücke zum Beruf: Als Language Training Consultant berät er seither Firmen und Einzelkunden, die ihre Sprachkenntnisse in England aufpolieren wollen. 500 registrierte Sprachschulen gibt es in Großbritannien und Irland, der Beratungsbedarf ist gigantisch, und Baruch hat es sich zum Ziel gesetzt, jedem Interessenten den optimalen Sprachkurs in Maßarbeit anzupassen.Weit über 100 britische und irische Sprachinstitute hat der Spezialist bis heute unter die Lupe genommen und immer wieder mit unangemeldeten Besuchen überprüft. Doch er empfiehlt nur jene, die seinen hochgesteckten Anforderungen an die ideale Lernstätte entsprechen: Kein anonymer Schulbetrieb mit großen Klassen und schlecht bezahlten Lehrern, sondern kleine, feine Institute (die deshalb übrigens nicht teurer sind), in denen die Begeisterung der Lehrer ebenso wie die kleinen Klassen (oft nur drei bis sechs Teilnehmer pro Kurs) für vergnügliches Lernen und Erfolg sorgen.Woran man eine solche Schule erkennt? Baruch nennt untrügliche Indizien: Diese Lehrinstitute residieren oft in Provinzstädten, fast immer aber abseits der touristischen Massenziele (wie der englischen Südküste, an der sich über 50 Prozent aller Sprachschulen konzentrieren). Die Schulleiter der kleinen Institute verstehen sich nicht als bürokratische Verwalter, sie sind nicht angestellt, sondern – auch als Lehrer – für Erfolg und Misserfolg ihrer Schule selbst verantwortlich. Dass sie nebenbei mit allen Weihen englischer Sprachausbildung wie den Cambridge Certificates und dem „Toefl“ gesegnet sind, versteht sich von selbst. […]Dem reiselustigen Volkshochschulkurs mit zwölf Ladies zwischen 60 und 75, die sich einen Shakespeare-Kurs vor Ort wünschen, organisiert die Schule einen Ausflug nach Stratford-apon-Avon. Und auch für die vierköpfige Familie – der 50jährige Vater will Yeats im Original lesen, die Mutter ihr Business-Englisch stylen, die zwölfjährige Tochter ihre Schulnote verbessern und der siebenjährige Junior ganz einfach mitreden – hat Baruch bereits die passende Schule und Gastfamilie gefunden. Und weil es bei seinen Instituten eben individueller und persönlicher zugeht als anderswo, hat der siebenjährige Filius schon Wochen vor dem Sprachurlaub Post von der Gastfamilie aus England bekommen. Ein Foto von dem Zimmer, in dem er mit seiner Schwester wohnen wird ist auch dabei: „Toll sieht’s aus, und man kann aus dem Fenster auf einen Fluss schauen und auf ein rotes Telefonhäuschen.“ […]
Frankfurter Rundschau, 20. Februar 1999